Wen-Sinn Yang
Violoncello

Pressestimmen

ensemble 04/10

Marco Frei über Beethoven – Sonaten op. 5 & Variationen | Wen-Sinn Yang (Vc); Werner Bärtschi (Kl) | Profil/Hänssler 10004 | Vertrieb: Naxos | Hörproben

Dass Wen-Sinn Yang eine noble, dabei aber wohltuend uneitle und unaufgeregte, technisch über alles erhabene, authentisch und natürlich musizierende Cellisten-Persönlichkeit ist, braucht eigentlich nicht groß erwähnt zu werden. Genau diese Eigenschaften sind es, mit denen der ehemalige Solocellist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks interpretatorisch stets punktet. Mit viel Feingespür und Ernsthaftigkeit durchleuchtet er Partituren und Geisteswelten, was nun einmal mehr für die beiden Cellosonaten op. 5 von Ludwig van Beethoven gilt. Der Pianist Werner Bärtschi entlockt hingegen der langsamen Einleitung aus der Cellosonate op. 5, Nr. 2 mit konsequentem Non-Legato ungewöhnliche Hörerlebnisse…

…Manches scheint sich auf bereits erprobtem Terrain zu bewegen und einem Interpretationsideal zu folgen, das schon längst kontrovers diskutiert wird. So bereichern diese Einspielungen insofern das Repertoire dieser zahlreich eingespielten Gipfelwerke der Celloliteratur, als hier – ungeheuer konzise und konsequent – gemeinsame Interpretationen erarbeitet und gelebt werden. Das bereitet beim Zuhören große Freude…

KulturSPIEGEL, 28. Juni 2010

Von innen leuchtend

In München arbeitet ein stiller Star mit Virtuosen-Elan und großer Entdeckerfreude: der Cellist Wen-Sinn Yang.

Davidoff - ist das nicht was Längliches, Braunes für Raucher? Auch viele Cello-Freunde werden bei dem Namen nicht sofort an spätromantische Harmonien denken. Doch das könnte sich bald ändern. Kürzlich hat Wen-Sinn Yang auch die beiden letzten der vier Konzerte des gebürtigen Kurländers Carl Davidoff (1838 bis 1889), der als Dozent und schließlich als Leiter des St. Petersburger Konservatoriums zur russischen Musikelite zählte, aufgenommen.

Das Ergebnis spricht, ja leuchtet für sich: So melodienfroh, elegant und immer wieder symphonisch kraftvoll sind diese Werke, dass jeder Cellist mit ihnen glänzen könnte - wäre der Solopart nur nicht bisweilen eklig schwer. Da braucht es schon eine Leichtigkeit, die nur wenige erreichen.

Yang, 45, lange Solocellist im Orchester des Bayerischen Rundfunks, nimmt Fingerakrobatik und verträumte Kantilenen gleichermaßen souverän und führt so kongenial vor, was Eckhardt van den Hoogen im lesenswerten Booklet-Text Davidoffs "Sog" nennt.

Dass diese selbstverständliche Virtuosität der Tschaikowski-Ära nur eines seiner vielen Stilregister darstellt, beweist Yang mit einem Solo-Sampler, der für Liebhaber des Celloklangs ein wahres Feuerwerk der Genüsse bietet: Paganini-Variationen und weitere Bravour-Piècen am Rand des physisch Möglichen, aber auch ausdrucksstarke Sonaten von Ysaÿe und Kodály zeigen einen gelassenen Meister abseits allen Starrummels, der noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Klassik.heute  zu cpo - Davidoff / Tschaikovsky

Künstlerische Qualität: 10 | Klangqualität: 10 | Gesamteindruck: 10

Wen-Sinn Yang • Terje Mikkelsen • Shanghai Symphony Orchestra;  von Richard Eckstein (07.07.2010)

"Vollendete technische Durchbildung, schöner und edler Ton, endlich geist- und geschmackvoller Vortrag" – so rühmte einst Meyers Konversationslexikon (4. Aufl., Bd. 4, Leipzig 1885-1892) Carl Davidoff, um abschließend kurz und bündig festzustellen, dass der 1838 in Lettland geborene Künstler "in die erste Reihe der jetzt lebenden Violoncellisten" gehöre. Solche Erkenntnisfähigkeit würde man sich auch heute wünschen. Denn auf den gegenwärtigen Hauptinterpreten von Davidoffs kompositorischem Schaffen, Wen-Sinn Yang (der Schweizer taiwanesischer Herkunft hat bei cpo bereits die Cellokonzerte Nr. 1 & 2 vorgelegt), treffen die oben beschriebenen Eigenschaften genauso zu. …

… Dafür sorgt Yangs subtiler Zugang: Läufe, Sprünge und Kapriolen in Davidoffs letzten Cellokonzerten Nr. 3 und 4 erheben sich bei ihm nie wirklich zu Herren des Geschehens oder genügen sich selbst, sondern sind stets ganz organisch in eine quasi sinfonische Architektur integriert. Freilich ist diese bisweilen ziemlich vertrackt und lotet technische Grenzen voll aus. Dass es Yang beispielsweise gelungen ist, die irrwitzig-kruden Läufe in der Kadenz des Kopfsatzes des D-Dur-Konzerts noch kantabel wiederzugeben, verdient höchste Bewunderung. Auch im Hinblick auf die Aufnahmetechnik muss man von einer Großtat sprechen: Die Cellostimme bleibt in jedem Detail hörbar und wirkt dabei niemals vom Orchester isoliert. …

… Durch drei von Tschaikowskys kürzeren Cello-Stücken, die der vorliegenden CD als eine Art Appendix angefügt und von Wen-Sinn Yang mit Sonorität, Verve, wo nötig Gelassenheit sowie größtem ästhetischen Einfühlungsvermögen gespielt werden, bietet sich zudem eine interessante Vergleichsmöglichkeit. …

Schaffhauser Nachrichten, 23.3.2010

Kammermusik auf höchstem Niveau

Vor 200 Jahren erblickte Frederic Chopin im polnischen Zelazowa Wola das Licht der Welt. Seine Werke bilden aus diesem Grund in diesem Jahr den Schwerpunkt der «Kammermusik am Hochrhein». Der auf einer privaten Initiative beruhende Zyklus - er umfasst in diesem Jahr insgesamt fünf Veranstaltungen - wurde am vergangenen Sonntag von Wen-Sinn Yang (Cello) und Adrian Oetiker (Flügel) mit einem kammermusikalischen Feuerwerk der Spitzenklasse eröffnet.

Der in St. Gallen geborene Pianist und der aus Taiwan stammende Cellist boten den mehr als 200 Zuhörerinnen und Zuhörern im mit Bildern und Blumen geschmückten sowie von einer strahlenden Frühlingssonne erhellten Festsaal Hohentwiel der Kliniken Schmieder mit drei Sonaten von Frederic Chopin, Cesar Franck und Franz Schubert ein wahrhaft begeisterndes Klangerlebnis.

In der zu Beginn des Konzertes interpretierten Sonate für Violoncello und Klavier g-MolI, op. 65, von Franz Schubert offenbarte Wen-Sinn Yang seine von technischer Brillanz und grossartiger Intonation geprägte Spielweise.

Der zu den eigentlichen Initianten und wichtigsten Pädagogen Schaffhauser Meisterkurse gehörende Cellist besticht vor allem durch seine einfühlsamen Phrasierungen, seinen herrlichen Ton und seine ungeheure Ausdruckskraft. Adrian Oetiker zeigte seine Stärke vor allem in der an zweiter Stelle stehenden Sonate für Violoncello und Klavier, g-MolI, op. 65, von Frederic Chopin. Dazu zählen insbesondere seine differenzierten «federleichten Anschläge» , seine zum einen Teil von schein barer Leichtigkeit und zum andern Teil von geballter Kraft getragene Spielweise.

Höhepunkt des beeindruckenden Auftrittes der beiden kongenialen Partner stellte schliesslich die nach der Pause interpretierte Sonate für Violoncello und Klavier in A-Dur von Cesar Franck dar. Hier vermochten die beiden auf eine erstaunliche Weise harmonierenden Interpreten ihr Publikum mit einer emotional aufrüttelnden Serie von Klangbildern auf eine geradezu magische Weise in ihren Bann zu ziehen.

Kein Wunder, quittierten die begeisterten Zuhörer diese musikalische Meisterleistung - vor dem als Zugabe interpretierten Chant du Menestrel von Alexandre Glasunow - spontan mit Standing Ovations. Walter Joos

Süddeutsche Zeitung - Beethoven Cellosonaten

Das Konzert in München wurde zur Demonstration, wie Beethoven zu spielen ist. Yang scheint technische Hürden kaum zu kennen. Spannung von der ersten bis zur letzten Note. Das ließ Dimensionen von Musik ahnen, von denen viele nicht einmal zu träumen vermögen.

Solothurner Zeitung - Brittens Solosuiten

Und Wen-Sinn Yang spannt über jede einzelne Phrase einen grossen Bogen - oder besser: Er findet denselben. Nie erliegt er der Gefahr, lediglich ein Tonkonstrukt abzubilden. Yangs Ton ist warm, persönlich, seine Linie atmet, und die Verläufe schwingen weit aus. Es gibt Interpreten, deren Ausdruckskraft und Virtuosität fesseln. Bei Wen-Sinn Yang kommt hinzu, dass sein Ton dem Ohr schmeichelt und das Uneitle und Präzise seines Spiels sich erfreulich von oft Gehörtem abhebt. Wen-Sinn Yang ist ein Ausdrucksmusiker, kein distanzierter Techniker.

Offenbach Post - Elgars Cellokonzert

Dem setzt der international renommierte Cellospieler eine solistische Leidenschaftlichkeit entgegen, die in allen vier Sätzen gefangen nimmt. Bei überaus kultivierter Tongebung und untrüglichem Gespür für die dramatische Linie, hier auch vom Orchester tatkräftig unterstützt. In bester Erinnerung ist die subtile Klage des Adagios, welche urplötzlich stirbt, Raum für ein facettenreiches Finale bietend, das die vielen schwermütigen Gedanken wegwischt.

Hanauer Anzeiger

Mit vibratoreichem, leidenschaftlichem Ton versah Yang das einleitende Solorezitativ, musizierte dann die beträchtliche Virtuosität dieses Konzerts auf einem solch reifen Niveau, dass sich im Anschluss die Zuschauer auf der Empore des Congress Parks Hanau die Zugabe des Cellisten regelrecht ertrampelten.